Erich Fromm: Haben oder Sein, Teil 1, 2/3

Haben oder Sein in der alltäglichen Erfahrung

In der alltäglichen Erfahrung ist der Unterschied zwischen Haben und Sein sehr häufig anzutreffen. Fromm gibt folgende Beispiele:

  Haben Sein
Lernen Input wird festgehalten, z.B. in Notizen. Auswendiglernen. Input wird nicht auf das eigene Leben bezogen. Input ist Mittel zum Zweck, z.B. zur Erreichung einer Qualifikation, eines Grades oder Ranges. Keine Reflexion des Gelernten. -> Motivation ist extrinsisch. Lernender nimmt Input nicht als tabula rasa auf, sondern hat sich vorher informiert. Auf das Empfangen von Input folgt ein Antworten. Input regt neune Denkprozesse an. Input verändert die Person und deren Denkweise. Lernende haben generelles inter-esse „dazwischen sein“, „dabei sein“. -> Benötigt Motivation. Wie kann man Interesse wecken? Wann ist man interessiert an etwas?
Erinnern Mechanische oder logische Assoziationen beziehen sich darauf Phänomene und Lösungsansatz herzustellen, sodass Probleme rational gelöst werden können. Geringer Lerneffekt. Indem man Inhalte extern zusammenfasst, bleiben sie nicht im Kopf. Erinnerungen werden ausgelagert und irgendwann vergessen. Zurückrufen der Erlebnisse. Assoziation zum damaligen Denken und Fühlen. Assoziationen beziehen sich konstruktiv auf Ursache-Wirkung-Zusammenhänge und Lösungsansätze. Erinnerung wird (auch emotional) erforscht. Das Geschehene steht für Zukünftiges zur Verfügung. Ohne Auslagerung der Gedächtnishinhalte wird das Wesentliche im Gedächtnis eher erhalten und häufiger nicht vergessen.
Miteinander sprechen Gespräch als Wettkämpf. Rhetorik dient als Mittel etwas ins rechte Licht zu rücken. Man spricht, weil man dem anderen etwas über sich selbst zeigen will. Man stellt sich auf den anderen ein. Zweck der Kommunikation ist die Verständigung zwischen beiden. Ein Gespräch bringt beide im Idealfall in gleicher Weise als Persönlichkeiten weiter.
Lesen Ist Vergnügen oder Zwangslektüre nach Lehrplan. Seichtes Konsumieren und darauffolgendes Vergessen. Letztlich bleibt nur der Name des Autors in Erinnerung, aber keine Inhalte. Interaktion zwischen Autor und Leser. Ähnlich dem Lernen und Erinnern. Das Gelesene ist Erlebnis, das einen selbst verändert, nicht nur allein Vergnügen. Auseinandersetzung mit Autor und Inhalt findet statt. Auch hier gilt das Prinzip des Interesses.
Autorität ausüben Autorität haben, z. B. durch gesellschaftlich vorgegebene Stellung oder Rolle. Irrationale Autorität unterstützt die Macht eines Menschen. Autorität sein. Rationale Autorität beruht auf Vertrauen und Kompetenzen. Sie tritt dann zu Tage, wenn sie in der Gesellschaft/Gemeinschaft gebraucht wird. Experte sein auf einem Gebiet.
Wissen Wissen haben bedeutet verfügbares Wissen, vor allem Faktenwissen, abrufen zu können. Man erlangt es über Auswendiglernen und unhinterfragte Internalisierung von Informationen. Es geht rein um die Quantität von Wissen.Wissen ist Teil des produktiven Denkprozess. Informationen werden in einen Gesamtzusammenhang gesetzt und mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft. Somit kann Wissen erweitert werden und eine Art „tieferes Wissen“ erlangt werden. Hier steht die Qualität des Wissens im Vordergrund.
Glauben Glaube impliziert in Haben-Modus den Besitz von Antworten auf Sinnfragen. Die Antworten werden von externen Institutionen geliefert, sodass das Individuum sie nur noch annehmen bzw. glaube muss. Es entwickelt keine eigenen Glaubenssätze. Glaube als eine Einstellung oder Haltung, die innere Orientierung gibt. In ihm ist es dem Individuum möglich sich selbst zu konstituieren und beständig zu werden. Der Glaube des Individuums ist ihm eine sinnhafte Unterstützung bei seinem Menschwerden. Sinnfragen kann das Individuum sich selbst beantworten.
Lieben Sogenannte „Liebe“ als Garant für den Besitz des anderen Menschen und als Sicherung von Anerkennung. Geht mit den Erwartungen einher, der Andere sei nur für mich da. Die Liebe zum anderen ist eigentlich eine Selbstliebe in Sinne eines Egoismus. Lieben heißt einerseits „zum Leben zu erwecken“, andererseits den Anderen sein zu lassen (wie er ist und wie er sich entwickeln wird). Lebendiges aufeinander bezogen sein.
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